Nach unserer ersten Demonstration hörte das Smartphone von Raphael Thelen, Sprecher von Fairness Jetzt, kaum noch auf zu klingeln. „Mich erreichen quasi täglich neue Anrufe von Leuten, die mitmachen wollen“, erzählte der Gründer nach der Veranstaltung.
Dabei kamen zu der ersten öffentlichen Aktion vor dem Kanzleramt in Berlin am 28. Januar 2026 gerade einmal 15 Teilnehmende. Doch die Frage, die sie dort medienwirksam in den Raum stellten, bewegt offenbar immer mehr Bürger:innen: Ist KI sicher für uns?
Auftakt im Regierungsviertel
Mit großen Bannern und einer weithin sichtbaren vier Meter hohen Installation trotzten die Demonstrant:innen auf dem vereisten Platz im Regierungsviertel dem kalten Wetter. Die Botschaft war klar: KI verändert fast alle gesellschaftlichen Bereiche grundlegend – deswegen braucht es demokratische Kontrolle, um diese Transformation im Sinne der Bürger:innen zu gestalten.
Die erste Aktion wurde bewusst zugespitzt gestaltet. Eine Aktivistin trat mit einer Maske von OpenAI-Chef Sam Altman auf und hielt eine satirische Rede über die Versprechen und Risiken der KI-Industrie. So wurde deutlich gemacht: Der Einfluss von KI darf nicht allein von den Interessen der Tech-Konzerne oder durch Marktlogik gesteuert werden.

Warum KI demokratische Kontrolle braucht
Denn schon jetzt ist dieser Einfluss für die Gesellschaft deutlich zu spüren: Chatbots werden im Alltag genutzt, Unternehmen automatisieren Arbeitsprozesse, Deepfakes können politische Debatten manipulieren, und Kinder und Jugendliche wachsen mit digitalen Systemen auf, deren psychologische Wirkung noch viel zu wenig verstanden ist.
Fairness Jetzt will deshalb eine grundlegende öffentliche Debatte anstoßen: Wer bestimmt darüber, wie KI unser Leben verändert? Die Initiative selbst hat dazu eine klare Position: Bürger:innen müssen stärker an politischen Entscheidungen über KI beteiligt werden.
Offener Brief an Friedrich Merz
Im Zentrum der Aktion vor dem Kanzleramt stand ein offener Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz, mit dem diesem Anliegen öffentlichkeitswirksam Ausdruck verliehen wurde. Die konkrete Forderung: Ein gesetzlich bindender Bürgerrat.
Ausgeloste Bürger:innen sollen gemeinsam mit Expert:innen beraten, welche Regeln Deutschland für den Umgang mit KI braucht. Ziel ist eine KI-Politik, die nicht nur wirtschaftliche Interessen einzelner Akteur:innen berücksichtigt, sondern gezielt Kinder schützt, Existenzgrundlagen sichert, Demokratie verteidigt und Datenschutz ernst nimmt.
taz und radio3 berichten über die Aktion
Die 15 Teilnehmenden setzten bei der ersten Aktion vor dem Kanzleramt bereits ein starkes Zeichen. Obwohl die Aktion klein begann, war das öffentliche Interesse spürbar. Die taz berichtete über den Auftakt, außerdem waren ein Reuters-Kamerateam und mehrere Fotografen vor Ort. Auch ein erster Auftritt bei radio3 im Rundfunk Berlin-Brandenburg folgte auf den Start der Initiative.
Für Fairness Jetzt war das ein wichtiges Signal: Die Frage nach dem Umgang mit KI ist kein Nischenthema mehr. Sie erreicht Redaktionen, politische Debatten und immer mehr Menschen, die sich Orientierung, Austausch und Mitsprache wünschen.
Fairness Jetzt will Bürger:innen vernetzen
Fairness Jetzt hat es sich selbst zum Auftrag gemacht, die Anliegen und Bedenken der Bevölkerung zum Thema KI für die Politik sichtbar zu machen. Die Initiative möchte Menschen zusammenbringen, die bisher oft getrennt über dasselbe Thema sprechen: Eltern, Arbeitnehmer:innen, Kreative, Expert:innen, Aktivist:innen sowie alle, die eine digitale Zukunft im Sinne der Gesellschaft mitgestalten möchten.
Die Resonanz auch in den Wochen nach der Demonstration bestärkte die Initiative: In den nächsten Monaten wird Fairness Jetzt mit verschiedenen Formaten weiter Menschen vernetzen, Debatten anstoßen und konkrete demokratische Lösungen vorantreiben. Im Mittelpunkt steht dabei die Überzeugung: KI kann großen Fortschritt ermöglichen – aber nur, wenn Visionen und Regeln gemeinsam mit den Bürger:innen erarbeitet werden.
